Risiko und Vorsorge Dickdarmkrebs

Risiko

Generelles Risiko in der Schweizer Bevölkerung im Laufe
des Lebens an einem Dickdarmkrebs zu erkranken


5 - 6%

 

  • Ein erst-gradig Verwandter mit Dickdarmkrebs
2 -3 fach erhöht
  • Zwei erst-gradig Verwandte mit Dickdarmkrebs
3 - 4 fach erhöht
  • Ein erst-gradig Verwandter mit Dickdarmkrebs jünger als 50 Jahre

 

3 - 4 fach erhöht

  • Ein zweit/dritt-gradig Verwandter mit Dickdarmkrebs
~ 1.5 fach erhöht
  • Zwei zweit-gradig Verwandte mit Dickdarmkrebs
~ 2 - 3 fach erhöht
  • Ein erst-gradig Verwandter mit einem gutartigen Polyp

~ 2 fach erhöht

 

1.-gradig: Eltern, Geschwister, Kinder
2.-gradig: Grosseltern, Tanten, Onkel
3.-gradig: Ur-Grosseltern, Cousinen

Vorsorge (Screening)

Der Dickdarmkrebs ist bei Männern die dritthäufigste, bei Frauen die zweithäufigste Krebsart; jedes Jahr erkranken ca. 4'000 SchweizerInnen an Dickdarmkrebs. Zwar ist ein leichtgradiger Rückgang der Neuerkrankungsrate sowie der Sterblichkeitsrate dank der neuesten zielgerichteten Therapiemodalitäten in den letzten zehn Jahren zu beobachten, es sterben immer noch jährlich etwa 1'600 Menschen an diesem bösartigen Tumor in der Schweiz.

Wie bei anderen Krebserkrankungen gilt auch bei dem Darmkrebs der Grundsatz, dass die Heilungschancen umso besser sind, je früher der Tumor erkannt wird. Durch eine Früherkennung kann der Darmkrebs nahezu komplett verhindert bzw. in vielen Fällen geheilt werden. Da zu Beginn der Darmkrebserkrankung keine oder nur wenige unspezifische Beschwerden auftreten, sind die Früherkennungsuntersuchungen bei diesem Malignom von grosser Bedeutung.

Es stehen verschiedene Screeningstrategien, wie. z.B Stuhlteste (FOBT, FIT), Bluttest (Septin 9) oder bildgebende Verfahren (Koloskopie/Sigmoidoskopie, CT-Kolographie, Kapselendoskopie) zur Verfügung. Bei der Wahl der Vorsorgeuntersuchungen soll man die Vor- und Nachteile der Methodik, das persönliche Risiko und nicht zuletzt die persönliche Präferenz der Patienten in Betracht ziehen. Von den Screening-Modalitäten gilt derzeit die Koloskopie (Dickdarmspiegelung) als die zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs. Sie hat die höchste Sensitivität und Spezifität unter allen Darmkrebsfrüherkennungsmethoden.

Die Dickdarmspiegelung ist aber nicht nur zur frühen Erkennung geeignet. Im Rahmen dieser Untersuchung können auch Vorstufen des Darmkrebses, Adenome gefunden und meistens in der gleichen Sitzung abgetragen werden. Damit kann die Koloskopie auch die Entstehung von Darmkrebs bereits in Vorstufen verhindern. In einer schweizerischen Studie konnte gezeigt werden, dass mittels Vorsorgekoloskopien und Polypektomien das Auftreten von Kolonkarzinomen um circa zwei Drittel reduziert werden kann (1).

Die Notwendigkeit und die Bestimmung des Zeitpunkts der Koloskopie ist vom Alter und Risikofaktoren der Patienten abhängig. Da das Kolonkarzinom vorwiegend bei älteren Menschen auftritt und vor dem 50. Lebensjahr ohne positive Familienanamnese sehr selten ist, wird eine routinemässige Vorsorgekoloskopie für die durchschnittliche Bevölkerung alle 10 Jahre ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Eine Familienbelastung stellt ein klarer Risikofaktor für die Entstehung von Kolonkarzinom dar  und benötigt eine striktere Screeningstrategie.

Im allgemeinen gilt: Je grösser das persönliche Risiko ist, desto dringlicher ist die Notwendigkeit einer Dickdarmspiegelung. Die deutlich seltener vorkommenden hereditären Syndrome (FAP/AFAP/MAP, HNPCC) benötigen unbedingt endoskopische Screeningmethoden,

die mit genetischer Abklärung und Beratung der Familienmitglieder ergänzt werden sollen. Entscheidend sind jedoch die Effektivität und die Zuverlässigkeit der Koloskopie, welche von der Qualität der Untersuchung abhängen. Eine umfassende Qualitätssicherung für die Durchführung von Koloskopien soll medizinische Standards für folgende Faktoren beinhalten:

  • Vorbereitung zur Untersuchung: Entsprechende Indikationsstellung, Aufklärungsgespräch und Einwilligung des Patienten, Risikostratifizierung, Bestimmung der Art der Sedation, Darmvorbereitung.
  • Während der Untersuchung: Beurteilung der Effektivität der Abführung, Intubationsrate und -zeit des Zökums, fotografische Dokumentation des Zökumpols/terminalen Ileums, Rückzugszeit, Adenom-Detektionsrate, Inversion im Zökum und Rektum, Visualisierung von Läsionen, Biopsie und Abtragungstechniken bei dargestellten Läsionen, Behebung von Komplikationen, Sedation und Überwachung von Patienten, Dokumentation der Untersuchung.
  • Nach der Untersuchung: Patientenbeobachtung und -entlassung, Berichterstattung, Erfassung von eventuellen Komplikationen.

Eine hohe Koloskopie-Qualität sichert nicht nur den Erfolg der Untersuchung, sondern trägt deutlich zur Patientenzufriedenheit bei. Wenn sich Patienten vor dieser sinnvollen Untersuchung nicht drücken, kann das Risiko der Entstehung von kolorektalen Karzinomen deutlich vermindert und die Früherkennung von Malignomen gesichert werden.


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